| Politik Nur rund 10 Prozent Queerfeindlichkeit in Bayern erfasst
Bayern muss mehr gegen Queerfeindlichkeit tun: das Dunkelfeld bleibt groß und Beratungsstellen unterfinanziert
2025 wurden 180 queerfeindliche Straftaten in Bayern polizeilich erfasst – Expert*innen gehen jedoch von einem Dunkelfeld von bis zu 90 Prozent aus.
Im Jahr 2025 wurden 180 queerfeindliche Straftaten in Bayern polizeilich erfasst – Expert*innen gehen jedoch weiterhin von einem Dunkelfeld von bis zu 90 Prozent aus. Angesichts bundesweit zunehmender Bedrohungen gegen queere Menschen fordert der LSVD+ Verband Queere Vielfalt in Bayern den Freistaat auf einen “Bayerischen Aktionsplan Queer” zu verabschieden und die Handlungsempfehlungen der Innenminister*innenkonferenz von 2023 vollständig umzusetzen.
Begrenztes Hellfeld und zu niedrige Aufklärungsquote
Die polizeiliche Statistik bildet nur das sogenannte Hellfeld ab – also Straftaten, die angezeigt und strafrechtlich erfasst werden. Viele Betroffene wenden sich aus Angst, Scham oder mangelndem Vertrauen in staatliche Stellen nicht an die Polizei. Zudem bleiben zahlreiche Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsschwelle und erscheinen daher in keiner offiziellen Statistik. Auch die Aufklärungsquoten zeigen die Grenzen staatlichen Handelns: Ein erheblicher Teil der angezeigten Taten kann nicht aufgeklärt werden, was das Vertrauen in wirksamen Schutz zusätzlich schwächt.
Bayern muss zivilgesellschaftliche Beratungs- und Meldestellen stärken!
Bayern setzt bislang vor allem auf punktuelle Maßnahmen, eine umfassende Gesamtstrategie für Schutz und Prävention fehlt jedoch weiterhin.
Zivilgesellschaftliche Meldestellen und Beratungsangebote spielen aber bei der Erfassung von Fällen und der Beratung von Betroffenen eine wichtige Rolle. Einrichtungen wie die Fachstelle Strong! sowie lokale queere Beratungsstellen leisten bereits jetzt unverzichtbare Arbeit: Sie dokumentieren Vorfälle, die oft gar nicht erst bei der Polizei angezeigt werden, beraten Betroffene niedrigschwellig und begleiten sie im Umgang mit Diskriminierung und Gewalt. Auf diese Weise tragen sie maßgeblich dazu bei, das tatsächliche Ausmaß queerfeindlicher Vorfälle sichtbar zu machen und Vertrauen aufzubauen.
Gleichzeitig schließen diese Angebote eine strukturelle Lücke, die staatliche Stellen bislang nicht ausreichend füllen. Viele Betroffene wenden sich bewusst an zivilgesellschaftliche Stellen, weil sie dort einen diskriminierungssensiblen und geschützten Raum erwarten.
Wenn Bayern Queerfeindlichkeit wirksam bekämpfen will, braucht es daher mehr als einzelne Maßnahmen. Es braucht eine klare politische Strategie, die zivilgesellschaftliche Strukturen systematisch einbindet und langfristig absichert. Wer diesen Kampf gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen führen will, muss sie auch entsprechend ausstatten und verlässlich finanzieren.
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